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Seit Jahrzehnten hat die uns umgebende „Natur“ und damit auch wir Jäger ein ernsthaftes Problem: viele Tier- oder eben Wildarten werden immer seltener, so schön, interessant, spannend zu bejagen oder schlicht lecker sie auch sind. Der quorzende Frühjahrsschnepf', der wuselige Spiel- und der imposante Auerhahn, der bunte Fasanengockel, Hasen, Rebhühner – sie alle sind durch die Veränderung und den Verlust ihres Lebensraumes, erhöhten Prädatorendruck und immer einschneidendere Gesetzgebung eben bei der Bejagung dieser Prädatoren zu meinem großen Bedauern deutlich seltener geworden.

Auch eine weitere, völlig andere Spezies von erheblichem nicht nur jagdlichen Unterhaltungswert verschwindet, meist ganz gegen ihr eigentliches Naturell, heimlich, still und leise immer mehr von der Bildfläche. Es ist eine Type, von denen eigentlich jeder mindestens einen kennt, meist wurde man sogar von einem ausgebildet oder hat(te) einen als väterlichen Freund: das „Original“. Möglicherweise ist diese Bezeichnung nicht jedem geläufig, aber ich jedenfalls nenne sie so, diese urigen, echten Naturtypen, oft ein Wenig grummelig, aber mit gutem Herz, das meist direkt auf der Zunge getragen wird, mit trockenem Humor in unendlich vielen Geschichten von „früher“ – da war nämlich bekanntlich eh alles besser. Mal unter uns Pfarrerstöchtern und Betschwestern: in vielen Bereichen war es das wahrscheinlich wirklich.

Originale sind meist gemütliche Gesellen, sprechen nicht selten in Mundart der regional üblichen Coleur und geben oft zum Beispiel den perfekten, handwerklich begabten Jagdaufseher ab, eine Rolle, die sie mit Stolz und Passion erfüllen - ohne sie wäre jeder Jagdherr aufgeschmissen und jede Gesellschaftsjagd oder jeder gemeinsame Abend am Kamin höchstens halb so lustig. Aber sie werden eben seltener, ich habe das Gefühl, dass sich der demographische Wandel auch hier bemerkbar macht: Originale gibt es immer weniger, ihre teilweise haarsträubenden oder Lachbauchschmerz verursachenden Kamingeschichten werden immer mehr von ihren Nachfolgern verdrängt. Die neue Garde sind gefühlte Tausende von YouTubern und Jagdbloggern, wie es in Neudeutsch heisst, von denen es nur wenige Gute gibt, wie ich finde. Sehr oft sind es leider keine würdigen Erben der Originale, sondern schmeißen mit #Werbemarkenname #Waffenname #Patronenmarke #allesnochmalinenglisch und #natürlichauchaufInstagramm nur so um sich, haben aber meist wenig wirklich Interessantes, Lehrreiches oder Unterhaltsames für ein Lagerfeuer auf dem Kasten. Eben nicht das, was Originale sind…


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