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Am nächsten Abend stehen Stefan und ich an der gleichen Stelle wie am Vorabend. Die Wolken sind wieder grau und schwarz, manchmal spüren wir den einen oder anderen Regentropfen. Wir stehen noch nicht lange, da fliegen schon die ersten Schnepfen. Meine Güte, es geht so schnell. Ich lege an, drücke ab, fühle den Rückstoß und sehe, wie die Schnepfe im Flug zusammenbricht und runterfällt. Mit großer Begeisterung renne ich zu meiner ersten Schnepfe. Sie liegt auf dem trockenen braunen Gras. Ich hebe meinen Hut ab, berühre sie leicht und bewundere ihre einfache aber trotzdem wunderschöne Verfärbung. Ich setze mich unter einen Baum, neben meine Schnepfe und genieße diese Augenblicke. Noch einige Schnepfen streichen an uns vorbei. Stefan hat auch Chancen gehabt, aber leider ohne Erfolg. Sein herzliches und ernstgemeintes Waidmannsheil zu meiner ersten Schnepfe unterstreicht diese einmalige Atmosphäre für mich.

Am nächsten Abend tauschten Stefan und ich die Waffen, vielleicht klappt es nun bei ihm. Alles ist wie immer, nach ein paar Minuten hören wir die ersten Schnepfen kommen. Stefan schießt, trifft aber leider nicht. Diese kleinen Vögel sind verdammt schnell. Ich lasse die meisten Schnepfen unbeschossen vorbeistreichen, nur bei ganz nahen habe ich mir vorgenommen mein Glück und Können unter Beweis zu stellen und es zahlte sich aus. Eine nahe Schnepfe fiel nach meinem Schuss mausetot zu Boden. Unglaublich, dass ich nun meine zweite Schnepfe erlegen durfte.

Ein Abendstrich wartete noch auf uns, dieses Mal probierten wir ein anderes Gebiet, näher am Dorf. Hier flogen die Vögel aber sehr viel höher, da wir näher am Wald standen. Doch eine kam perfekt für Stefan, er schoss und die Schnepfe bekam ein paar Schrote, nach kurzem Straucheln fing sie sich wieder, doch der zweite Schuss holte sie vom Himmel. Was haben wir uns gefreut. Es ist noch früh, also entschlossen wir uns den Abend weiterhin zu genießen. Wieder kommen Schnepfen auf mich zu und ich frage mich, ob ich erneut meine Gelegenheit nutzen sollte oder zufrieden sein sollte, mit dem, was ich habe. Ich schoss und auch diese Schnepfe fiel schlagartig zu Boden. Wunderbar. Da standen nun zwei Waidkameraden mit ihren Schnepfen, genossen den Augenblick und erinnerten sich an die vergangenen Jagdtage. Wieder haben wir uns einen Jägertraum erfüllt und gemeinsames Jagen ist sowieso am Schönsten.

In diesen Tagen bin ich wirklich durch die Zeit gereist. Nicht nur bezüglich der Lebensumstände in diesem Dorf, sondern auch, weil ich eine Jagd erleben durfte, die in meinem Heimatland schon längst verboten ist.


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