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Wenn Hilfe benötigt wird, wie sollte diese aussehen?

Ist nun die Entscheidung getroffen, die Jungtiere in menschliche Obhut zu nehmen, sind ein paar Dinge zu beachten, die im Prinzip für fast alle Arten von Findeltieren gelten. Als erstes sollte man jedes Tier sehr behutsam aber gründlich auf Verletzungen wie Knochenbrüche oder Wunden untersuchen. Gerade wenn es wärmer wird, legen Fliegen schnell ihre Eier in offene Wunden und Körperöffnungen geschwächter Tiere. Wenn dann die Maden schlüpfen fressen sie das Tier von innen auf, darum sollte man Fliegeneier und Maden schnellstmöglich mit Hilfe einer Pinzette oder einer Zahnbürste absammeln. Bitte keine chemischen Mittel gegen Parasiten verwenden oder wenn, nur in Absprache mit erfahrenen Pflegern, da nur sehr wenige Produkte für junge Wildtiere geeignet sind. Ganz wichtig für das Findeltier ist vor allem Wärme. Die Bauchseite des Tieres sollte sich nicht deutlich kühler anfühlen als die eigene Hand. Um ein Tier zu wärmen, kann man auf regulierbare Heizmatten oder Wärmflaschen zurückgreifen. Diese sollten etwa handwarm sein. Das Tier sollte nach Möglichkeit selbst entscheiden können, welche Temperatur angenehm ist und ausweichen können, wenn es ihm zu warm wird. Rotlicht ist in der Wildtierpflege nicht zu empfehlen, da es die Tiere austrocknet, was bei geschwächten Tieren mehr Schaden als Nutzen mit sich bringen kann.

Erst wenn das Tier aufgewärmt ist, kann man langsam beginnen, den Flüssigkeitshaushalt wieder aufzufüllen. Dies ist wirklich essentiell: Wenn das Tier nicht richtig warm ist, darf weder getränkt noch gefüttert werden! Jede Tierart hat gewisse Ansprüche, auf die hier nicht in ausreichendem Umfang eingegangen werden kann, darum ist eine Absprache mit erfahrenen Pflegern immer empfehlenswert. Zum Rehydrieren genügt zunächst frisches Trinkwasser, auch warmer (nicht heißer) Fencheltee wird gerne genommen. Je nach Zustand des Tieres kann dies aus einer flachen Schale angeboten werden, oftmals ist das Tier jedoch so geschwächt, dass es gefüttert werden muss. Auch hier gibt es für jede Tierart unterschiedliche Futterspritzen, -flaschen und Sauger. Wichtig ist immer, dass sich die Tiere nicht verschlucken und nichts in die Nase gelangt. Bei stark dehydrierten Tieren kann der Tierarzt eine Infusion verabreichen. Wenn das Tier stabil ist, ist es Zeit für die erste Fütterung. Wenige Tage alte Waisen benötigen gegebenenfalls noch Kolostrum (Biestmilch). Dieses ist ebenso wie die Aufzuchtsmilch artspezifisch. Für Rehkitze eignet sich beispielsweise Schaf- oder Ziegenmilch. Es gibt mittlerweile einige hochwertige Aufzuchtsmilchpulver, die unter anderem über Tierarztpraxen zu beziehen sind. Das Pulver kann mit Wasser oder Fencheltee angerührt werden. Die Temperatur darf dabei maximal 40 °C betragen, um wertvolle Stoffe nicht durch die Hitze zu zerstören. Bitte jeweils die Zubereitungsempfehlung des Herstellers beachten. Auf keinen Fall dürfen Kuhmilch oder Kuhmilchprodukte wie Kaffeesahne oder Kondensmilch verwendet werden! Dies führt zu schweren Unverträglichkeiten und Darmproblemen und ist für die Aufzucht von Wildtieren absolut ungeeignet.


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