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Umgang und Management Das Thema "Invasive Arten" ist sehr komplex und über den Umgang damit streiten selbst Experten.

In der Biodiversitäts-Konvention von Rio werden die Vertragsstaaten (Deutschland seit 1993) verpflichtet, Maßnahmen zur "Verhinderung der Einfuhr, sowie zur Kontrolle und Ausrottung gebietsfremder Arten, die Ökosysteme, Lebensräume oder Arten gefährden (sog. invasive gebietsfremde Arten)" zu treffen. Auch die Berner Konvention (Deutschland seit 1984) verpflichtet die Vertragsparteien "die Ansiedlung nicht heimischer Arten streng zu überwachen und zu begrenzen". Es ist also eine Thematik von internationaler Bedeutung, die das Ziel verfolgt, unsere Natur zu schützen und Biodiversität zu bewahren.

Wie soll man also damit umgehen? Was einfach klingt, ist in der Realität oft umso schwieriger. Man muss sehr ins Detail schauen und versuchen Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen. Dann merkt man allerdings ganz schnell, dass wir vieles einfach noch nicht wissen. Es fehlen noch zu viele Informationen, zu viele evidenzbasierte Erkenntnisse.

Gerade im Hinblick auf den Klimawandel ist ein durchweg konservativer Ansatz vielleicht nicht die richtige Lösung. Deutschland hat beispielsweise bereits 1956 vergeblich versucht den Waschbären, der ursprünglich aus Nordamerika kommt und 1934 bei uns angesiedelt wurde, wieder auszurotten. Dabei ist wichtig zu beachten, dass es immer nur um die LOKALE Ausrottung in dem betroffenen Gebiet geht, niemals weltweit! Auch in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten gab es immer wieder Bemühungen - ohne Erfolg. 2012 ergaben Berechnungen, dass die Jagdstrecke auf den Waschbären deutschlandweit um 800% erhöht werden müsste, um einen reduktiven Charakter zu erzielen. Dies umzusetzen war und ist schlicht und einfach nicht möglich. Und selbst wenn, wäre noch nicht gewährleistet, dass eine verstärkte Bejagung nicht eine erhöhte Reproduktionsrate (also eine stärkere Vermehrung) zur Folge hat. Letztlich sind immer Kosten und Nutzen im Vergleich zu betrachten. In urbanen Gebieten sind die Waschbärdichten deutlich höher als auf dem Land, was eine Bejagung erschwert. Im Zuge dessen spielt auch die Akzeptanz des Handelns in der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Dort sind je nach Region und Berufsfeld die Meinungen extrem konträr. Nach § 10 Abs. 2 Nr. 5 BNatSchG können auch gebietsfremde Arten als „heimisch“ angesehen werden, wenn sie sich in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten können. Demzufolge kann auch der Waschbär, obwohl er invasiv ist, als heimisch bezeichnet werden. Viele Menschen sind daher gegen seinen Platz auf der Unionsliste der invasiven Arten. Sie finden die Kleinbären possierlich und freuen sich, wenn sie einen zu Gesicht bekommen. Ein Landwirt, der größere Verluste bei seiner Maisernte dem Waschbären zuzuschreiben hat, ist verständlicherweise weniger erfreut. Angler und Fischzüchter wiederum begrüßen mancher Orts die Anwesenheit des Waschbären, weil er nach ihren Aussagen die Nester der Kormorane räubert, so für einen Populationsrückgang sorgt und dementsprechend weniger Fisch gefressen wird.


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