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Nun steht einer ersten Pirsch nichts mehr im Wege. Zunächst fahren bzw. rumpeln wir, mit dem Argo, einem achträdrigem Ungetüm Richtung Jagdgebiet. Während Timothy und Michael vorn Platz nehmen, hocke ich hinten auf der Ladefläche um bereits erste Filmaufnahmen machen zu können. Fast eine halbe Stunde fahren wir immer tiefer ins Jagdgebiet und tatsächlich bekomme ich mein erstes schottisches Rotwildrudel vor die Linse. Zunächst ist es kaum auszumachen, lediglich ein paar rote Punkte sind im moosbewachsenem Hang zu erkennen. Erst ein Blick durchs Glas zeigt bei näherem Hinsehen die Größe des Rudels. Mehr als hundert Stück Kahlwild gepaart mit Hirschen sind zu erkennen. Das Wild hat uns natürlich längst wahrgenommen und zieht langsam den Hang hinauf. Spielend einfach sieht es für diese majestätischen Tiere aus und das obwohl auch an diesem Hügel Steine, Bäche und Sumpflöcher den Untergrund bilden. So bestens eingestimmt, lassen wir das Rudel hinter uns, denn natürlich jagen wir nicht vom Fahrzeug aus. Eine letzte Brücke wird überquert und nebenbei erläutert unser Stalker deren Geschichte. General Wade (Oberbefehlshaber der britischen Armee) ließ diese Brücke bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichten, um die damaligen Militärstandorte zu verbinden. Jetzt heißt es, Stiefel schnüren, Rucksack auf den Buckel und die Pirsch beginnt.

Sie sehen so harmlos aus, diese grünen, sanften Hügel aber während des Aufstiegs wird mir langsam bewusst, worauf ich mich hier einlasse. Es gibt hier keinerlei Pfade, sondern wir pirschen einfach querfeldein gegen den Wind und gerade der hat es heute in sich. Es sind keine Böen, es ist ein beständiger Sturm, welcher mich fast umwirft. Hier nicht zu stürzen ist kein leichtes Unterfangen. Jeder Schritt will gut überlegt sein. Umzuknicken oder aber sogar in eine der vielen Schluchten zu fallen, wäre ein schnelles Ende unserer Reise. Obwohl es bitterkalt ist, rinnt mir der Schweiß den Rücken herunter. Sich dünner anzuziehen ist allerdings auch keine Alternative, denn immer wieder halten wir an, um die Umgebung abzuglasen. Vier Stunden sind wir bereits zu Fuß unterwegs und wir wollen gerade eine Pause unter einem Felsen einlegen, als plötzlich Kahlwild in Anblick kommt. Ein Alttier äst ca. 500m vor uns in einer kleinen Mulde.


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