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So schön das alles ist und so sehr mich und viele andere Sauen auch faszinieren, ich glaube, wir müssen wirklich aufpassen. Nicht wenige Reviere hier in Hessen sind aufgrund ihrer Schadenssituation schlicht unverpachtbar. Wenn wir die Bestände nicht in absehbarer Zeit merklich in den Griff bekommen, dann übernimmt das vielleicht irgendein grüner Ideologe mit der chemischen Keule – oder die ASP, die sich nach ihrer Ankunft (Gott bewahre!) bei solchen Bestandsdichten, so fürchte ich, wie ein Lauffeuer ausbreiten wird. Was machen wir dann eigentlich den ganzen Tag, Niederwild gibt es dank der reichhaltigen Einschränkungen bei der Prädatorenbejagung ja eigentlich auch keines mehr? Ich sehe mich und meine Kumpels schon wie in einem düsteren Seniorenheim betrübt zusammenhocken und mit kurz aufflackernden Augen über „damals“ sprechen, nur unterbrochen von mit feuchten Händen angetretenen Saureisen nach Pakistan oder in die Türkei… die sind zwar wunderschön, aber ohne unsere zwar anstrengende, aber doch so geliebte Heimatfront…? Nein, schlicht nein, das geht nun wirklich nicht. Noch ist der Teufel höchstens mahnend an die Wand zu malen, aber er möge doch bitte unbedingt dort bleiben, wo der Pfeffer wächst. Und bis dahin erzählen wir uns Geschichten aus dem Jetzt, nicht von damals. Basta! (A propos, nach Italien wollte ich eigentlich auch einmal auf Schwarzkittel, fällt mir gerade ein. Da sollte sich doch was finden lassen!).

Brandaktuell wäre da zum Beispiel mein Fast-Schwiegervater Dirk, das alte Nordlicht. Er ist Hamburger mit einem knochentrockenen Humor, grob geschätzt ist höchstens jeder 4. seiner Sätze wenigstens halbwegs ernst gemeint. Seine Stimmlage oder Mimik verändert sich jedenfalls nicht einmal im Ansatz, wenn er gerade mal wieder versucht, irgendeinem Gesprächsopfer einen gewaltigen Bären aufzubinden. Wäre er dabei noch skrupellos, müsste ich wahrscheinlich im Wochentakt zu einer Strafverteidigung aufbrechen, so aber ertappen wir ihn meistens doch noch an seinem schelmischen Lachen.

Jedenfalls war der Herr Papa meiner hochverehrten Hundeerzieherin dieser Tage auf einen Kurzbesuch hier. Er hatte fast 10 Stunden Autofahrt durch Dauerregen hinter sich und für uns alle war die Fernsehcouch schon bald nach den genossenen Wildschweinschnitzeln aus der Pfanne ein Hord verführerischer Sirenen, die zur Abwechslung Schlaflieder zu trällern schienen. Aber wir hatten die Rechnung ohne Karla, die kleine Halbschwester meiner Angehimmelten gemacht. Die Siebenjährige übernahm rigoros das Kommando – scheint in den Genen zu liegen - und scheuchte uns zum Umziehen, selbst der eklige Dauerregen konnte ihre Passion nicht bremsen. Ich vermute, dass Ihr die Sirenen des Odysseus noch zu altbacken waren, Walt Disneys Hypnose-Expertin Kaa aus dem Dschungelbuch war auf der Fernsehcouch aber nicht vertreten. Eigentlich war der hohe Besuch ja auch wirklich gekommen, um endlich auch einmal des Nächtens auf Sauen zu pirschen, da hatte die Kleine vollkommen Recht. Es sollte eine Abwechslung zu den langjährigen Drückjagderfahrungen sein.

Foto: Martin Ruffert


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