Fassen wir kurz zusammen:

Das Wild wechselt durch die Anlage. Diese warnt im besten Falle sofort die aufmerksamen Autofahrer. Diese reagieren vorbildlich, bremsen ihr Fahrzeug ab und so kommt es nicht zum Unfall. Alle sind zufrieden und winken sich freundlich zu?! Ich möchte nicht sarkastisch oder pessimistisch klingen, aber wie oben im Text beschrieben, müssen viele Faktoren zusammen passen, damit es so gut abläuft. Ich bin trotzdem der Überzeugung, dass eine nicht so niedrige Anzahl von Wildunfällen aktuell vermieden wird und die Vorteile der Anlage, überwiegen.

Gerade weil dadurch überhaupt erst ein Wechsel in Verbindung mit einem Wildzaun möglich ist. Aber ich bin Realist und deshalb gibt es halt auch Nachteile, die an anderer Stelle oftmals nicht genannt werden. Fakten und Statistiken kann man ja in Bezug auf das angestrebte Ergebnis entsprechend darstellen und wenn es heißt, die Wildunfälle sind auf der Strecke deutlich zurück gegangen, so stimmt dies auch.

Im gleichen Zeitfenster sind die Unfallzahlen an der zweiten vielbefahrenen Straße der L211 aber deutlich gestiegen. Dieser Umstand wird natürlich in der Statistik nicht erwähnt. Somit ist die Gesamtanzahl der Wildunfälle in unserem Revier ziemlich beständig, nämlich zwischen 30-40 Stück. Der aufmerksame Leser wird feststellen, alles wie vorher, und ich muss sagen, leider ja...denn auch das Wild ist ein schwer zu berechnender Faktor. Die Wechsel haben sich in unserem ca.450ha großen Revier verändert.

Dies liegt meines Erachtens hauptsächlich an dem Wildzaun, ändert aber nichts an den Fakten. Herausstellen möchte ich noch den Unterschied der beiden Anlagen bzgl. der Standorte. Wir hätten uns damals für die erste Anlage (Richtung Kiel) einen anderen Standort gewünscht, der wie bei der zweiten Anlage deutlich besser einsehbar ist. Die besser funktionierende östliche Anlage, ist auf gerader Strecke mit einseitigem Feld und auf der gegenüberliegenden Seite einer breit angelegten Schneise in einen offenen Bestand angelegt.

Das Wild kann gut sichern bevor es austritt und die Autofahrer können früher und damit besser reagieren. Die andere Anlage liegt direkt hinter einer Kuppe (Bild) und man kann nach dem ersten Warnschild nicht direkt in den Wechselkorridor einsehen. Wenn man nun trotzdem die Geschwindigkeit bestenfalls auf 70km/h reduziert, ist ein Wildunfall aufgrund der kurzen Strecke im Verhältnis zur Reaktionszeit und dem Bremsweg, kaum zu vermeiden. Eine weitere Reduzierung auf 50km/h wäre wünschenswert, ist aber leider aus Gründen der StVO aktuell nicht umsetzbar.

Was ist nun das Fazit und die Antwort auf die anfangs gestellte Frage:

Der Jagdpraktiker vor Ort sagt: Diese Art der Wechselmöglichkeit ist sicherlich kein gleichwertiger Ersatz für einen Wildtunnel oder eine Wildbrücke. Es kann jedoch eine Möglichkeit sein, an Straßen, an denen es aus verschiedenen Gründen keine bessere Lösung gibt, den Wildwechsel zu ermöglichen.

Dazu muss ein optimaler Standort zusammen mit den erfahrenen Jägern des betreffenden Reviers gefunden werden, idealerweise die Sensortechnik verbessert und weniger fehleranfällig gemacht werden, aber auch Folgeerscheinungen bzw. aktuelle Probleme engmaschig mit den betreffenden Stellen überwacht und im Dialog besprochen werden. Dann kann es einen positiven Effekt auf die Verringerung von Wildunfällen haben und die betreffende Straße für unser Wild bzw. die Autofahrer sicherer machen.


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