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Nach etwa 15 Minuten haben wir uns den Oryx soweit genähert, dass an einen Schuss zu denken ist. Die Oryx stehen aber nicht alleine. Ein paar Meter weiter stehen auch ein paar Hartebeest. Man sieht nur Teile der Tiere, hier mal ein paar Hörner und da mal einen Träger oder einen Teil des Rumpfes. Ein einzelner Oryx steht am Ende einer Art Buschtunnel. Die Akazien und Büsche überlappen sich und bilden auf die Distanz betrachtet ein Dach. Nachdem wir weitere endlose Minuten gewartet und beobachtet haben, entscheidet Gkherson, dass er es sein soll. Es ist ein Bulle und er steht alles andere als perfekt. Durch das „Loch in der Landschaft“ sieht man nur Teile des Trägers und das Blatt. Wenn er sich bewegt - und das macht er von Zeit zu Zeit - sieht man zusätzlich den rechten Hinterlauf. Er steht ein bisschen wie ein auf den Kopf gestelltes L. Hier ist kein Platz für Fehler.

Gkherson tritt aus der Deckung. Da wir im Moment das Haupt des Bullen nicht sehen können, kann er uns auch nicht sehen. Gkherson stellt den dreibeinigen Triggerstick und bietet mir seine Schulter als Auflage für meinen Ellenbogen an. Ich lege die Ruger auf den Schiesstock und nehme den Bullen auf. Ganz langsam und bedächtig ziehe ich den Abzug. Der Schuss bricht völlig unerwartet und der Oryx ist weg. Ich bin sicher gut abgekommen zu sein, aber durch den Bewuchs bin ich mir nicht sicher, ob er quittiert hat. Wir hören wie die Hartebeest und die anderen Oryx im gestreckten Galopp flüchten.

Langsam und vorsichtig gehen wir zu der Stelle, an der eben noch das Tier gestanden hat. Der Oryx ist weg und weit und breit nicht zu sehen. Gkherson stellt den Triggerstick zur Markierung des Anschusses. Wir suchen nach Schweiss, lange, sorgfältig - nichts. Ich bin einigermaßen verunsichert.Wir folgen den Fährten der flüchtigen Herden. Durch die Panik sind die Tiere gemeinsam geflohen. Es gibt keine zwei Herden mehr. Der Herero nimmt die Verfolgung auf. Ich versuche mich einzubringen aber Gkherson läuft der Fährte nach, als ob er einem Trampelpfad folgt. Ich sehe da wenig bis nichts.

Nach vielleicht 100 oder 150 Metern ruft er Jonny an. Erstaunlicherweise funktioniert das Handynetz in dieser Einöde. Jonny hat Leyla, den besten Hund der südlichen Hemisphäre dabei. Leyla wird es richten. Gkherson und ich gehen langsam zurück zum Anschuss. Wir gehen ein bisschen weiter links, Richtung des Feldweges auf dem sich Jonny mit Hund und Frau nähert. Ich bin ein bisschen aufgewühlt, es nervt mich einfach, dass der Bulle nicht liegt. Wenn ich etwas hasse, ist es Ungewissheit nach dem Schuss. Ich war mir sicher gut abgekommen zu sein.

Ich werde in den folgenden zwei Wochen lernen müssen dass eine 30-06 keinen Ausschuss liefert. Auch eine .300 Win. Mag. liefert nur in seltenen Fällen einen Ausschuss. Kein Ausschuss - kein Schweiß. Wir gehen langsam weiter. Ich versuche in Gkhersons Gesicht zu lesen und plötzlich sehe ich ihn grinsen. Ich frage mich was es zu grinsen gibt, als er nach links in eine Dreier-Baumgruppe zeigt. Und inmitten dieser Bäumchen liegt mein erster Oryxbulle. Von hier aus sind es keine dreißig Meter bis zum Anschuss. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Der reservierte Herero lacht plötzlich, gibt mir einen „Hug" und entbietet ein Waidmannsheil. Der Bulle bekommt seinen letzten Bissen. Wir betrachten uns den Schuss genau und ich kann sehr zufrieden sein. Tiefblatt, genau wie von Hendrik empfohlen.


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