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Grundsätzlich gilt: Wer sich bei der Ernährung an der Natur orientiert, ist bestens beraten! Es gibt allerdings eine Ausnahme: Vor allem Amseln beobachtet man oft dabei, wie sie einen Regenwurm verspeisen. In der Handaufzucht wird jedoch von Regenwürmern abgeraten, denn diese übertragen Endoparasiten, mit denen das Vogelkind zusätzlich zu kämpfen hat.

Da wir Menschen nie so gut sein werden und solch eine Abwechslung schaffen können wie die Vogeleltern, sind zusätzliche Gaben von Nahrungsergänzungsmitteln wichtig: Die Mineral-, Vitamin-, Aminosäuren- und Spurenelementeversorgung muss sichergestellt werden. Welche Präparate empfehlenswert sind, erfährt man beim erfahrenen Wildvogelpfleger oder bei einem vogelkundigen Tierarzt. Dieser hat die notwendigen Mittel oft zur Hand und hilft in der Regel gerne aus.

Hilfe für Altvögel: Manchmal benötigen jedoch nicht nur Jungvögel Hilfe. Immer wieder kommt es zu Kollisionen der Vögel mit Fensterscheiben oder Autos. Falls die Tiere den Aufprall überleben, tragen sie in der Regel ein schweres Anflugtrauma davon. Dann ist es am besten, sie wie bei den Ästlingen in einen mit Küchenpapier gepolsterten Karton mit Luftlöchern zu setzen. Dieser sollte dann dunkel und ruhig an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, damit sich das Tier von dem Schock erholen kann. Gegebenenfalls kann aus Küchenpapier eine Art Nest geformt werden, wenn der Vogel nicht aus eigener Kraft aufrecht sitzen kann. Er benötigt zunächst kein Futter oder Wasser. Ein paar Stunden Ruhe bewirken manchmal schon Wunder. Wenn sich das Tier vom Schock erholt hat, kann eine tierärztliche Untersuchung ratsam sein, um sicher zu gehen, dass nichts gebrochen ist. Ist alles in Ordnung, kann der Vogel an einer geschützten Stelle beispielsweise in der Nähe von Hecken oder Gebüschen wieder in die Freiheit entlassen werden. Bei verletzten oder in Not geratenen Greifvögeln und Eulen sollte sofort ein Sachkundiger verständigt werden. Das Tier muss dann zunächst gesichert und an einen erfahrenen Falkner oder an eine Greifvogelstation übergeben werden.

Eine weitere Ausnahme bilden die Mauersegler. Bei Kaltwetterfronten oder besonderer Hitze kann es vorkommen, dass auch adulte Segler völlig entkräftet auf dem Boden gefunden werden. Solche Tiere benötigen immer dringend fachkundige Hilfe. Auf keinen Fall dürfen sie wieder in die Luft geworfen werden! Mauersegler sind faszinierend und wunderschön. Sie verbringen abgesehen von der Brutzeit ihr gesamtes Leben in der Luft. Für solch eine beeindruckende Ausnahmeleistung ist ein intaktes Gefieder lebensnotwendig. Folglich führt jegliche Mangel- oder Fehlernährung zu katastrophalen Folgen für das Tier. Daher sollten Mauersegler grundsätzlich in erfahrene Hände!

Wer einen Wildvogel aufnimmt, sollte sich immer bewusst machen, dass dies nur vorübergehend geschehen darf. So schreibt es das Gesetz auch vor (siehe § 45 Abs. 5 BNatSchG). Das Ziel muss immer eine Auswilderung sein! Auch wenn sie einem sehr ans Herz wachsen, man mit ihnen leidet und kämpft, tut man das alles doch nur aus einem Grund: Man möchte sie optimal auf ein Leben in Freiheit vorbereiten. Am Ende schaut man mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinterher. Tief im Herzen ist man aber einfach nur froh, denn die Vögel haben ihre zweite Chance auf ein Leben in Freiheit verdient.


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