Ein sehr subjektiver Erfahrungsbericht.

So unkonventionell der Bericht, so unkonventionell der Anfang. Los geht’s.

Vor einigen Jahren nahm mich mein Freund Oswald Prinz bei einem Besuch in seiner Büchsenmacherwerkstatt beiseite. "Jörgi, komm ich zeig‘ dir mal was.““

Beim ersten Blick auf die Werkbank sah ich neben dem ganzen anderen herumliegenden Zeug eigentlich nichts wirklich Besonderes.

„Was haste denn Schönes hier? Du solltest mal wieder aufräumen. Wie das hier wieder aussieht.“ Aber wo gehobelt wird, da fallen eben auch Späne.

„ Ach was - guck mal,“ entgegnete mir der Büchsenmacher mit 40 Jahren Erfahrung. Ein Griff des Meisters und schon hielt er ein für mich nicht direkt zu identifizierendes, quaderförmiges Stück Metall in den Händen. Ca. 4 x 2 x 2 cm. An den Seiten jeweils zwei Nuten, in der Mitte ein kleiner, federnder Stift, scheinbar ein Schlagbolzen.

„Weißt du, was das ist?“ Oswald kramte ein altes Buch über das Schlachtschiff Prinz Eugen heraus. Es sei schon beeindruckend, welche Präzision die damaligen Geschütze hatten. In der Regel wurden diese durch einen Quer- oder Fallkeil verriegelt, der sowohl hohes „Dichthalten“ als auch Standfestigkeit ermöglichte. Es wurde ein wenig geschwärmt. Nicht von alten Zeiten, sondern von der Technik.

Wieder ein paar Griffe in das sortierte Chaos am Arbeitstisch und schon hatte Oswald einen Systemkasten in der Hand. Ganz aus Stahl, schwer und weißfertig. Dazu ein Patronenlager mit rohem Lauf. Am Patronenlager vorn auch wieder links und rechts je zwei Nuten (es handelt es sich um eine ganz grobe Beschreibung des tatsächlichen Aufbaus).

Zuerst dachte ich an den Ruger Blockverschluss.

Während Oswald den Metallquader in die dafür vorgesehenen Nuten schob, korrigierte er mich. „Das, was du da hältst, ist das Kernstück der damaligen Geschütze in Miniaturform, der sogenannte Fallkeilverschluss.“

Und wieder ein paar zielstrebige Griffe in Richtung Werkbank. Hinterschaft, Lauf und Vorderschaft - alles noch recht roh - und ein paar Minuten später hielt ich ein kompaktes, kleines, aber recht schweres Gewehrchen in Händen. Zwar alles nur zusammengesteckt, aber ein Bild konnte man sich schon machen. Eine gewisse Funktionalität war vorhanden.


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