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Von Beginn an und durchgehend jedenfalls zeigte sich uns ein großes Stück von Irlands Sonnigkeit: seine Menschen. Man muss sich zwar echt konzentrieren, um ihrem Englisch ohne große Missverständnisse zu folgen, aber wir haben in den paar Tagen nicht eine einzige unfreundliche oder unwirsche Person getroffen, egal, ob es der Mietwagenfuzzi, die Kellnerin oder ein Passant auf der Straße waren. Alle waren offen, freundlich und in der Regel auch bestens gelaunt und witzig. Das traf insbesondere auch auf Norman und David zu, die wirklich gerne mit uns lachten und scherzten, wenn wir zusammensaßen - beide waren übrigens natürlich tätowiert und beide tranken dann natürlich ein Guiness, Vorurteile wollen schließlich bedient werden. Nicht umsonst gab es in dem sympathischen 800-Seelen-Dorf, im dem wir wohnten, neben einem Metzger in lustiger "Uniform" und anderen Lädchen sage und schreibe sechs immer gut besuchte Pubs und einen Nachtclub. Da Iren nicht nur sehr christlich, sondern auch praktisch veranlagt sind, hatte jedes der kleinen Steinhäuschen einen Weihnachtsbaum - und zwar in einer schrägen Halterung an der äußeren Hauswand. So zeigte man Flagge, ohne irgendwelchen Dreck im Inneren zu haben - solche netten Kleinigkeiten sind einer der Gründe, warum ich so gerne im Ausland jage, man lernt eben ständig etwas Neues kennen.

Natürlich wurden sofort Pläne geschmiedet: mit einer Mischung aus Pirsch und Ansitz wollte Norman den Sikas zu Leibe rücken, nach dem wir uns kurz mit den Leihwaffen vertraut gemacht hatten. Ich freute mich auf die Pirsch "on the hills", da ich schon lange, lange von Kahlwildjagden in den schottischen Highlands träume. Normans Regiejagd grenzt direkt an einen Truppenübungsplatz und ein Naturschutzgebiet, in beiden wird an sich gar nicht gejagt, so dass sie ein schier unerschöpfliches Reservoir an kleinen Hirsche darstellen. Schon sofort nach dem Verlassen des Autos lugte mein Guide David vorsichtig über eine der typischen britischen Steinmauern, um nicht unverhofft gleich zu Beginn von den scharfen Lichtern unserer angedachten Beute entdeckt zu werden. Nichts zu sehen, die Luft war rein und wir begannen, uns durch die letzte Weide hindurch "The Hill" zu nähern. Immer wieder glasten wir die Heideflächen ab, die an ihren Spitzen sogar leicht schneebedeckt waren, gingen 10 Schritt vor und wiederholten das Ganze vor einer wirklich schönen Kulisse - und sahen nichts, außer ein paar Schafen und widerstandsfähigen Pferden.


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